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18.03.2016 „Bestrahlung ist deutlicher präziser geworden“: Prof. Wendt nimmt Abschied vom UKJ Seit 1994 Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie geleitet / Patienten profitieren vom technischen Fortschritt

Prof. Thomas Wendt am einzigen Tomotherapiegerät in Thüringen,  das die Bestrahlung mittels Photonen und die moderne Bildgebung der Computertomographie miteinander verbindet. Foto: UKJJena (ukj/dre). „Die Strahlentherapie bei Krebspatienten hat enorm von der Digitalisierung und vom technischen Fortschritt profitiert. Sie ist in den letzten Jahrzehnten immer exakter geworden. Heute können wir einen Tumor viel präziser bestrahlen. Das schont die Patienten spürbar und diese Entwicklung wird weiter anhalten“, beschreibt Prof. Dr. Thomas G. Wendt die Fortschritte „seines“ Faches. Daran hat er selbst entscheidend mitgewirkt: Seit 1994 leitete er die Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Jena (UKJ). Ende März geht der gebürtige Münchener in den Ruhestand.

Nach über 22 Jahren am Thüringer Uniklinikum blickt er auf eine „spannende und intensive“ Zeit zurück. 1994 war die Klinik noch auf zwei Standorte verteilt, Patienten mussten hin und her gefahren werden, die technische Ausstattung vier Jahre nach der Wiedervereinigung unter anderem mit einem Linearbeschleuniger russischer Bauart „ausbaufähig“, erinnert er sich. Das wichtigste jedoch für Prof. Wendt bei seinem Start in Jena war: „Das Team war hochmotiviert und bestens ausgebildet. Das war eine wichtige Grundlage für die positive Entwicklung der Klinik.“

Heute werden jährlich rund 1.200 Krebspatienten in der UKJ-Strahlentherapie versorgt, die noch ihren Sitz an der Bachstraße hat – in einem ehemaligen Hochbunker. „Die äußere Hülle spiegelt in der Tat nicht das heutige hochmoderne Innenleben unserer Klinik wider.“ Seit 2013 verfügt die UKJ-Strahlentherapie zum Beispiel über das einzige Tomotherapiegerät in Thüringen. Das Innovative am Tomotherapiegerät: Es verbindet die Bestrahlung mittels Photonen und die moderne Bildgebung der Computertomographie. Ein Linearbeschleuniger erzeugt die Strahlung und bewegt sich spiralförmig um den Patienten herum. Das Gerät fertigt eine dreidimensionale Darstellung des Tumors und seiner Umgebung an, um dann angepasst an diese Aufnahme direkt den Tumor gezielt zu bestrahlen. „Ohne die technische Entwicklung gerade in der Bildgebung wäre dies nicht möglich“, so Prof. Wendt.

Auch durch diesen Fortschritt werden heute mehr als 60 Prozent der Patienten ambulant behandelt und können nach der Bestrahlung wieder nach Hause. In den 1990er-Jahren wurde noch jeder Patient stationär aufgenommen. Prof. Wendt: „Auch diese Entwicklung ist ein großer Komfortgewinn für die Patienten.“ Die Strahlentherapie ist dabei eine wichtige Säule des Tumorzentrums am UKJ. Regelmäßig besprechen die Krebsexperten des UKJ in zehn gemeinsamen Tumorkonferenzen pro Woche die Therapie für die unterschiedlichsten Tumorpatienten. Dabei ist die Expertise der Strahlentherapie immer sehr gefragt. „Bei den ersten Konferenzen vor 20 Jahren saßen wir noch vor einem Stapel Papier, heute betrachten wir am Bildschirm exakte 3D-Darstellungen der Tumoren und entscheiden gemeinsam, welche Behandlungsstrategie für die Patienten am besten ist“, so der Strahlentherapie-Experte.

„Prof. Wendt hat in seiner 22-jährigen Tätigkeit als Klinikdirektor am UKJ außergewöhnlich zur Profilbildung der Klinik und zur stetigen Verbesserung der Patientenversorgung beigetragen. Die Strahlentherapie in Jena ist ein wichtiger Eckpfeiler in der Versorgung krebskranker Menschen in Thüringen“, betont PD Dr. Jens Maschmann, Medizinischer Vorstand am UKJ. 30 Doktoranden hat Prof. Wendt betreut, zahlreiche Fachpublikationen verfasst. Von 1999 bis 2003 war er Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Radiologische Onkologie, 2004 war er Präsident der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie mit 2.300 Teilnehmern in Erfurt. Erst im vergangenen Jahr war Prof. Wendt an einer Veröffentlichung in der renommierten Fachzeitschrift „Lancet“ beteiligt. Dabei ging es um eine spezielle Form der Strahlentherapie, die Brachytherapie, bei der Tumoren der Brust von „innen“ bestrahlt werden.

Mit dem Abschied vom UKJ ist auch ein Abschied von Jena verbunden: Prof. Wendt wird nun wieder in den „Süden“ Richtung Bayern ziehen. Seine Familie lebt schon dort. Eine Rückkehr zu seinen Wurzeln: Prof. Wendt hatte an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) studiert, wurde dort promoviert und habilitiert und hat dort seine Mediziner-Laufbahn begonnen: Bis zu seinem Wechsel nach Jena war er Oberarzt am Klinikum der LMU.

 
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